Zwei Day-Care-Centers für Kamachumu

Letztes Jahr wurden in Kamachumu zwei neue Häuser für die Kinderbetreuung (DCC - Day Care Centres) gebaut. Jedes kann 50 Kinder im Alter von zwei bis 5 Jahren aufnehmen. Die Frauengruppe MUVIMAWAKA strebt mit den Neubauten staatliche Anerkennung und Unterstützung an. Um diese zu erreichen, müssen auch ausgebildete und qualifizierte Betreuerinnen eingestellt und weitere bauliche Bedingungen erfüllt werden. Zur Zeit fehlen noch eine Küche, ein Wassertank und ein WC.

Seit vergangenem März werden die beiden Häuser von 95 Kindern bevölkert. Dass die Kinderbetreuung sinnvoll ist, wird im vorliegenden Bericht erläutert und betont. Frauen Selbsthilfegruppen (women umbrellas) haben bereits vor 13 Jahren damit begonnen, (Aids-) Waisenkinder und stark benachteiligte Kinder einzusammeln und sie in Gruppen an mindestens drei Vormittagen zu betreuen. Privatpersonen stellten ihnen in Scheunen und Häusern den nötigen Raum zur Verfügung. Die Lebensqualität der Kinder und diejenige ihrer BetreuerInnen – Wittwen, Grosseltern, ältere Geschwister, Tanten und Onkel – konnte so erheblich verbessert werden. Letztere werden entlastet und können inzwischen wichtige Pflichten erledigen.

Die Kinder werden in den DCC's sozialisiert und deutlich weniger stigmatisiert. Sie lernen gutes Verhalten, Zusammenhalt und Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft. Es wird ihnen auch manches beigebracht, z.B. traditionelle Tänze und Lieder und – besonders wichtig – die Landessprache Swahili. Jedes Kind erhält im DCC eine ausgewogene Mahlzeit und wenn nötig medizinische Pflege. Auch die Grundlagen des Lesens und Schreibens werden eingeübt. So werden die Kinder auf den Übertritt in die Primarschule vorbereitet.

Im Januar 2010 verliessen 198 Mädchen und 171 Buben die DCC's, um in die Schule einzutreten.
Bei der Einweihung hat der Gemeindevorsteher betont, dass die neuen Gebäude auch anderweitig benutzt werden können: "Dieses Haus ist für viele Zwecke geeignet. Während der Abende z.B. für Erwachsenenbildung, Jugendgruppen und für Dorfanlässe." Vorbemerkung: Jambo unterstützt in Kamachumu nebst den Kindergärten auch HIV/AIDS-Präventionsprojekte. Mehrere Aerzte von Herzogenbuchsee engagieren sich mit Spenden dafür. Im Januar 2010 hat uns Anthony Rwegasira mehrere Interviews zur Gesundheitsversorgung geschickt. Wir geben hier einen Teil davon wieder. Anthony war HIV/AIDS Programme Officer für SWISSAID in DAR ES SALAAM.

Der leitende Arzt A. R. Francis arbeitet seit einem Jahr im Gesundheitszentrum von Kamachumu. In seinem Versorgungsgebiet leben etwa 15'000 Menschen. Als häufigste Krankheiten nennt er Malaria, Lungenkrankheiten, AIDS-Komplikationen und Durchfallerkrankungen. Kinder unter 5 Jahren und Leute über 60 werden gratis behandelt. Alle übrigen Patienten müssen einen Beitrag von 500 bis 1500 T-shillings (ca. 50 – 75 Rp.) pro Behandlung leisten. Täglich werden im Durchschnitt 20 PatientInnen ambulant behandelt. Wegen Mangel an Betten und Personal können leider keine Patienten stationär behandelt werden. Zur Zeit besteht das Team aus 7 MitarbeiterInnen: Zwei Aerzten, einer Fachperson für Prävention, zwei Pflegefachfrauen und zwei Hilfspflegern. Nebst der Behandlung bietet das Zentrum AIDS-Prävention, Mütter- und Schwangerschaftsberatung, Gesundheitserziehung und Labordienste an.

Weil das Zentrum mangelhaft ausgestattet ist, müssen immer wieder Leute in ein Spital überwiesen werden. Den Transport müssen die Kranken aber selber bezahlen, was sich viele nicht leisten können und deshalb die nötige Behandlung nicht erhalten. Gemäss A. R. Francis ist HIV/AIDS nach wie vor ein grosses Problem, obwohl in den letzten Jahren Fortschritte erzielt worden sind. Die Uebertragung wegen ungeschütztem Sex ist noch zu häufig. Die offizielle Ansteckungsrate liegt zur Zeit bei 3,4% und ist stabil. Im Zentrum werden monatlich 40 AIDS-Tests durchgeführt. Im Schnitt sind 2 positiv, also 5%.

Es mangelt an Aufklärung und an Verhütungsmitteln, aber auch an Einsicht bei den Leuten. Aufklärung, Gesundheitserziehung und AIDS-Prävention sind seiner Meinung nach enorm wichtig. Noch ist die Stigmatisierung von Betroffenen ein grosses Problem, denn sie verhindert das Reden über AIDS. Die Leute wissen zu wenig, und wenn sie mehr w issen, schämen sie sich, sich testen zu lassen, bis sie schwer krank werden.

Das Zentrum betreibt deshalb Gesundheitserziehung und macht Anstrengungen, damit die Leute ihr Verhalten ändern. Es bietet Kurse an, z.B. für die PLWHA1-Selbsthilfegruppen, welche von Swissaid und Jambo unterstützt werden. Weiter werden Kondome, Informationsflyer und Materialien zur Gesundheitserziehung verteilt.Dem Arzt ist bewusst, dass noch mehr getan werden müsste. Um den Leuten die nötige Verhaltensänderung zu ermöglichen und zu erleichtern braucht es mehr Dramagruppen2, mehr geleitete Diskussionsanlässe und Video-Vorführungen.

Bild oben: das Haus KIZIGO ist bezogen. Rechts Caroline Morell, Swissaid Geschäftsführerin und Frank Haupt, Projektverantwortlicher für Tansania.